So is(s)t die Welt an Weihnachten

So is(s)t die Welt an Weihnachten

Würstchen und Kartoffelsalat zu Heiligabend, Gans, Rotkohl und Klöße an den Feiertagen – so sieht das typische Weihnachtsessen in Deutschland aus. Doch in anderen Ländern kommen ganz andere Gaumenfreuden auf den Weihnachtstisch. Und auch die Weihnachtstraditionen unterscheiden sich von Land zu Land. Ich habe für Euch die leckersten Gerichte gesammelt und mir besondere Bräuche rund um die Weihnachtszeit erzählen lassen.

Food

Chile

Juan Aguilera, Santiago de Chile: Weihnachten in Chile ist vor allem eines: heiß. In Deutschland gehören Schnee und niedrige Temperaturen zur Weihnachtsstimmung, in Chile sitzen wir am 24. Dezember den ganzen Tag im Pool und führen Wasserschlachten.

Am Abend beginnt dann das große Essen mit der Familie. Eines der typischsten chilenischen Weihnachtsgerichte ist Truthahn, gefüllt mit Kastanien, Karotten, Zwiebeln, Knoblauch und anderem Gemüse. Dieser muss mindestens fünf Stunden in den Ofen – je länger, desto besser. Für den besonderen Geschmack sorgen Orangensaft und Cognac-Likör.

Als Nachtisch essen wir Pan de Pascua, eine Art süßes Brot, das meine Mutter immer gebacken hat, aber auch überall im Supermarkt zu kaufen ist. Unser absolutes Lieblingsgetränk zu Weihnachten ist Cola de Mono (Affenschwanz), ein Cocktail aus Milch, Pisco, Kaffee, Zimt und Zucker.

Frankreich

Antony Petitot, Rennes: Das Essen hat für uns an Weihnachten einen sehr hohen Stellenwert und besteht immer aus mehreren Gängen, das ist wirklich ein wahrer Ess-Marathon. Bei der Menge an Alkohol, die oft fließt, braucht es aber auch eine gute Grundlage. Eingeläutet wird der réveillon mit einem Aperitif und einem Amuse-Bouche (Appetithäppchen), in meiner Familie waren das Kaviar auf Toast oder Canapés in jeglichen Variationen.

Zur Vorspeise gibt es dann Austern, die habe ich sogar schon als Kind geliebt. Anschließend wird vielerorts Foie gras, also Gänsestopfleber serviert, dann Fisch und dann Fleisch. Früher aß man traditionell Truthahn, inzwischen ist jedoch auch Wild sehr beliebt. In den Supermärkten findet man sogar Fleisch wie Känguru, Zebra oder Krokodil.

Jeder Gang wird von einem passenden Wein begleitet, natürlich nur von französischem, der ist einfach der beste. Zum Abschluss gibt es eine riesige Käseplatte und die Krönung ist dann Bûche de Noël, eine schokoladige Biskuitrolle, die bei uns oft mit Eiscreme gefüllt ist. Das ist eine richtige Kalorienbombe, danach kann sich keiner mehr bewegen. Um den Magen aufzuräumen, wird eine Runde hausgemachter Kirschschnaps und Baileys ausgeschenkt.

Unsere Weihnachtszeit dauert bis zum ersten Sonntag im Januar an. Dann wird Galette de Rois gegessen. Im Süden Frankreichs besteht er aus Briocheteig, im Norden aus Blätterteig. In dem Kuchen ist eine kleine Figur, die fève, eingebacken. Wer sie in seinem Stück findet, wird für diesen Abend mit einer Papierkrone zum König gekrönt und darf sogar seine Königin ernennen. Um gleiche Chancen für alle zu schaffen, saß in meiner Familie der Familienjüngste unter dem Tisch und hat entschieden, wer welches Stück bekommt.

USA

Casey Tower, Massachusetts: Wenn ich mich an Weihnachten bei meiner Familie erinnere, denke ich immer an Pie. Der ist zwar unglaublich süß, aber so lecker und perfekt für ein Weihnachtsessen. Am besten schmeckt mir der Pecan Pie meiner Mum.

Weihnachten in den USA ist bunt, hell und übertrieben. In meiner Nachbarschaft ist immer ein regelrechter Wettstreit um das am auffälligsten dekorierte Haus ausgebrochen. In manchen Straßen muss man sich wirklich die Augen zuhalten, so grell ist es.

Niederlande

Arjen Z., s-Hertogenbosch: An Weihnachten, Kerstmis, findet in den Niederlanden ein gemütliches Essen mit der Familie statt. Oft kommt Hirsch, Reh oder Hase auf den Weihnachtstisch. Anders als in Deutschland findet das große Fest mit Bescherung bereits am 5. Dezember, also am Nikolaus-Vorabend statt.

Sinterklaas, der gleichzeitig als Schutzpatron der Seefahrer gilt, kommt am dritten Samstag im November gemeinsam mit seinem Begleiter und Knecht, dem Zwarte Piet, per Schiff aus Spanien, wo er das ganze Jahr über in seinem Schloss verweilt. Dieses Spektakel wird sogar live im holländischen Fernsehen ausgestrahlt, wie du in diesem Video sehen kannst.

Ab diesem Zeitpunkt dürfen die Kinder ihre Schuhe unter den Schornstein stellen. Sinterklaas reitet dann mit seinem Pferd über die Dächer und wirft Geschenke durch die Schornsteine. Früher hatten Kinder Angst vor dem Zwarte Piet, denn wer nicht brav war, wurde im Sack nach Spanien mitgenommen. Heute ist er eher eine lustige Figur, die Späße macht.

Bulgarien

Marina Slavova, Sofia: Am 24. Dezember, Badni Vecher, essen wir in Bulgarien immer eine bestimmte Anzahl an vegetarischen Gerichten (7, 9 oder 11), meistens so etwas wie Bohneneintopf, Sauerkrautrouladen, Banitza (Blätterteiggebäck mit Käse oder Kürbis), Oschaf (Kompott aus Pflaumen, Birnen und Äpfeln), Pitka (hausgemachtes Brot), Obst, Nüsse und Wein.

Im Pitka werden Glücksbringer wie Münzen, Kornelkirsche, Storchschnabel und Bohnen versteckt. Die älteste Person der Familie zerstückelt dann das Brot und verteilt dieses an die Familie, so dass jeder einen Glücksbringer erhält. Meine Mutter hat die Münzen immer in einer Box aufbewahrt. Diese Glücksbox hat mich als Kind oft gerettet, wenn mein Taschengeld nicht gereicht hat.

Spanien

Jana Weber Peréz, Alicante: Bei meiner spanischen Familie läuft Weihnachten eher klein und gemütlich ab. Das große Fest wird am Tag der Heiligen Drei Könige gefeiert, dem Día de los Reyes Magos. An diesem Tag finden in den meisten Vierteln kleine Paraden statt, die Familie kommt zusammen, isst und geht gemeinsam in die Kirche.

Danach wird traditionell der Roscón de Reyes angeschnitten. Das ist ein Ring aus Teig mit kandierten Früchten, in dem an einer Stelle eine kleine Figur und an einer anderen Stelle eine trockene Bohne versteckt wird. Wer die Figur in seinem Stück hat, soll das ganze Jahr Glück haben, die Bohne bringt dagegen Pech. Oft gibt es an Weihnachten eine richtig dickflüssige heiße Schokolade, in die der Roscón oder Churros getunkt werden.

Philippinen

Joy, Manila: Zum großen Festessen an Weihnachten laden wir immer Freunde und Familie ein. Auf keinen Fall auf unserem Weihnachtstisch fehlen dürfen Schinken, Queso de Bola (Edamer), Obstsalat und heiße Schokolade. Ich werde dieses Jahr ein Spanferkel zubereiten, wir nennen das hier Lechon.

Außerdem koche ich ein philippinisches Nudelgericht namens Pancit und ein Gericht aus getrockneten Taro-Blättern und Kokosnussmilch, Laing.

Italien

Giulia Copat, Umbrien: Zwei Spezialitäten, ohne die Weihnachten unvorstellbar ist, sind die Süßspeisen Torrone, ein italienischer Nougat mit Nüssen, und Pandoro, ein großer Weihnachtskuchen. Beide Leckereien gibt es schon ab Dezember überall zu kaufen. An Heiligabend wird bei uns aus religiösen Gründen kein Fleisch gegessen, dafür essen wir viel Fisch und Gemüse. Fleisch wird dafür am 25. Dezember im Überfluss aufgetischt.

Weihnachtskrippen haben bei uns eine sehr lange Tradition, deshalb ist es ein absolutes Muss, einen Weihnachtsbaum aufzustellen und eine Krippe mit kleinen Figuren darunter aufzubauen. Eine weitere Besonderheit ist in Italien der Besuch einer alten Frau namens Befana. Sie steckt in der Nacht auf den 6. Januar Süßigkeiten in Socken, die am Abend zuvor an den Kamin gestellt werden.

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