Francesco - Nicht ohne meine Mama

Geboren und aufgewachsen im Süden Italiens, in Kalabrien, bin ich durch und durch Italiener, aber mit 18 Jahren war mir die Welt rund um meine Heimat zu klein geworden. Ich wollte weiter sehen. Ich machte Station in Frankreich und in Amsterdam, aber keine Stadt konnte mich fesseln, bis ich vor 11 Jahren nach Berlin kam.

Zunächst arbeitete ich in meinem Job als Account-Manager, aber der Gedanke, etwas Anderes, Eigenes zu tun, wohnte all die Jahre über in meinem Hinterkopf.
Ich hatte etwas Geld zur Seite gelegt und vor gut zwei Jahren war der Moment gekommen: die Möglichkeit, einen Gewerberaum in der Frankfurter Allee zu übernehmen. Einen Ort, den ich sehr gut kannte: Genau hier hatte ich am Anfang meiner Berlin-Zeit einen Deutschkurs absolviert.

Niemals hätte ich mir träumen lassen, dass ich 10 Jahre später genau diesen Ort in den Laden meiner Träume transformiere: Ein italienisches Restaurant, mit der Küche, die ich von zu Hause kenne und die Menschen auf der ganzen Welt lieben. Jetzt oder nie. Doch ich zögerte, denn ich wusste, wie viel Zeit ich für mein eigenes Restaurant aufbringen würde, wie viel Heidenarbeit hinter einer Gastronomie steckt, wie schwer es ist, verlässliche Mitarbeiter zu finden. Einen Koch, der das umzusetzen imstande war, was ich im Kopf hatte. Wer war der beste Koch, nein, die beste Köchin, die ich kannte – für mich die beste Köchin der Welt? Meine Mama. Durch sie hatte ich zu schätzen gelernt, was gute Küche ausmacht: Freude am Kochen gepaart mit Liebe zum Detail. Meine Mama besitzt das Talent, mit einem einfachen Teller Pasta glücklich zu machen.

Ich erzählte ihr von meiner Idee. Sie sagte ja.

Ist meine Mutter ein Wunder? Eine Vorzeigemutter? Mit 60 Jahren von einem kleinen Dorf in Kalabrien in die Großstadt? Meine Mutter liebt das Reisen, hat keine Angst und – noch wichtiger – sie würde alles für ihre Kinder tun. Seit rund zwei Jahren schmeiße ich nun schon mit Mama unseren Laden, benannt nach der Frau, die zur Erfüllung meines Traums einen Löwinnen- Anteil beitragen hat: Mama Maria’s.

Alles, vom Interieur bis zur Tageskarte, ist in Eigenregie entstanden: Meine Schwester hat für die Kreation des Wand-Gemäldes, das die berühmte Szene italienischen Einwanderer aufgreift, die in Amerika ihr Glück suchten und an der Konstruktion des weltweit berühmten New Yorker Rockefeller Centers mitarbeiteten, zweieinhalb Monate investiert. Ihr Freund fertigte aus filigranen Rohren und Holz unsere Tische und Stühle. Mama kreiert jeden Tag eine frische Pasta – sie kocht, wonach ihr morgens der Kopf steht.

Außerdem gibt es unsere leckeren, selbstgemachten Focaccia belegt mit Trüffelcreme und Grana Padano, Gorgonzola und Zucchini oder Pistazien-Pesto und Mortadella. Natürlich importieren wir nahezu all unsere Produkte direkt aus Kalabrien. Die ersten Gäste kommen bereits zum Frühstück, Mittags wird es rappelvoll: Zufriedene Gäste mit glücklichen Bäuchen schenkten Mama für ihre Carbonara Blumen, sind für ihre Bolognese auf die Knie gegangen. „Signora, heiraten Sie mich, zum ersten Mal in meinem Leben habe ich verstanden, wie eine richtige Carbonara schmeckt.”

Aber keine Chance, Mama ist seit 40 Jahren glücklich verheiratet. Mein Vater, der Arme, poverino, ist als Einziger der Arbeit wegen in Kalabrien geblieben. Aber Gott sei Dank gibt es Wochenenden, Sommerurlaube und Flugzeuge. Wenn Mama nach Hause fliegt, übernimmt meine Schwester ihren Platz an meiner Seite. Wir sind ein waschechtes Familienunternehmen. Papa schmeckt es nun mal auch am Besten bei seiner Frau, meiner Mama.

Einige unserer Kooperationspartner

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