Wie kommt man vom Beruf des Restaurators zum eigenen Street-Food-Restaurant? Ganz einfach: es ist nie zu spät, sich neu zu erfinden – auch mit 55 nicht.

Bis zu meinem 50. Lebensjahr habe ich als Restaurator antiken Marmors gearbeitet und war auch gar nicht schlecht in meinem Job, aber leider hat die Nachfrage des lokalen Marktes über die Jahre immer mehr nachgelassen und es gab immer weniger Arbeit für mich.

Also habe ich das Geld, das ich über die Jahre zur Seite gelegt habe, investiert, um mein Leben von Grund auf umzukrempeln und mich selbstständig zu machen – mit meinem eigenen Street-Food-Stand. Als gebürtiger Sizilianer kenne ich die schönsten Strände und Sonnenuntergänge meiner Region und habe mich an einem von ihnen niedergelassen: an der Promenade von Barcarello in dem hübschen Ort Sferacavallo. Ganz in der Nähe befindet sich die Riserva Naturale Orientata Capo Gallo, einer der schönsten Küstenabschnitte vor den Toren Palermos und Sonnenuntergänge, wie man sie nirgendwo anders findet.

In den ersten Tagen kam niemand, aber das störte mich nicht – ich schaute aufs Meer.

Zu hause koche ich vor, schnippele klein, lege ein und jeden Tag pünktlich um 10 Uhr bin ich mit meinem Kleintransporter zur Stelle, um leere Mägen mit meinem selbstgemachten, vor Ort zubereiteten sizilianischem Street-Food zu füllen. Besonders stolz bin ich auf mein panino mit eingelegten weißen Zwiebeln, Frikadellen (Polpette), Salz, Pfeffer, Paprika und Basilikum und meinem absoluten Clou – frischer Minze. Dazu gibt es je nach Tageszeit und Laune Wasser, kühles Bier oder meinen selbstgemachten Rotwein.

Sobald das Essen fertig ist, ertönt ein Gongschlag aus meiner eigens kreierten Geräuschkulisse. Da die Hupe meines Kleintransporters kaputt ist, klingele ich stattdessen mit einem Glöckchen, um mich mit anderen Autofahrern zu verständigen. Alles sehr italienisch, wir nennen diese Kunst, sich mit dem, was man hat, – oder in meinem Fall eben auch nicht hat – zu arrangieren, sich zu helfen zu wissen, l’arte di arrangiarsi.

Im Süden Italiens haben wir vielleicht nicht sehr viel, aber eins haben wir: Gastfreundschaft und Herzlichkeit. Und das teilen wir gerne. Mir macht es Freude, Touristen typische sizilianische Spezialitäten kosten zu lassen, wie meine Panelle, eine Art frittierter Kirchenerbsen Bratlinge. Sie gehören einfach zur sizilianischen Kultur, vor allem in der Region um Palermo. Und Essen ist immer auch Kultur, ganz besonders in Süditalien teilen wir das gerne.

Vier Jahre später bin ich froh, den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt zu haben. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt... und ich habe schon gewonnen, denn ich fahre jeden Abend zufrieden mit einem Lächeln im Gesicht nach Hause.

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