Blau ist eine warme Farbe – Willkommen in Chefchaouen

Blau ist eine warme Farbe – Willkommen in Chefchaouen

Heute nehme ich euch mit in eine malerische Stadt, deren Anblick verzaubert – lang bevor es Instagram oder das große, weite Web gab und ihr Hype einsetzte: Chefchaouen, die blaue Schönheit mitten im Rif-Gebirge im Norden Marokkos.

Reisebericht

Marokko bekennt Farbe

Eine Stadt, eingebettet in einem grünen Tal, eingehüllt in mal zarteres, mal kräftiges Blau. Am Entzückendsten ist sie von oben: die spanische Moschee bietet einen einmaligen, wirklich atemberaubenden Ausblick und Sonnenuntergang. Ich verspreche nicht zu viel, wenn ich sage, dass in der Altstadt, old medina, jede, aber wirklich jede Straße mit ihren blauen Häuserfassaden das Zeug zum Instagram-Star hat. Die blaue Farbe, so glauben die Einheimischen, schützt vor dem bösen Blick, der Unheil über die Menschen bringen kann. Die Mauerfarbe, die verwinkelten Gassen, die Türen, Treppen, Teppiche und Tontöpfe, die bunten Blumentöpfe, die hübschen kleinen Läden zum Bummeln, die Graffitis und Verzierungen, die Spuren und Traditionen der Berber(-sprache) – Chefchaouen ist mit seiner arabischen Vergangenheit und andalusischen Gegenwart fast zu schön um wahr zu sein. Die im Jahre 1471 erbaute Moschee „El Masjid El Adam“ überblickt mit ihrem achteckigen Minarett die von arabischen Emigranten aus Andalusien gegründete 30.000 Einwohner Stadt. Ende des 15. Jahrhunderts kamen viele aus Andalusien vertriebe Muslime nach Chefchauoen. Ihnen verdankt die blaue Stadt ihre Farbe und das Spanisch, dass man auf den Straßen hört.
Auf dem Place Outa el-Hammam beobachten wir das bunte, trubelige, aber nie anstrengende Treiben in den Cafés und Restaurants.

Die blaue Stadt in grünen Bergen

Dank Simo, unserem Couchsurfing-Host, lernen wir die besten Routen für ausgiebige Spaziergänge kennen: von der Altstadt gelangt ihr zu den öffentlichen Waschplätzen und zum Ras El Ma (Ras = Kopf, Ma = Wasser), dem Ort, an dem das Wasser in die Stadt gelangt. Dick, so Simo, könnten Einheimischen von Chefchaouen niemals werden. Dafür würden sie viel zu viel laufen.Treppen rauf und wieder runter, viele mühsame Steigungen, wenig Gefälle und immer alles zu Fuß. In zwei Tagen haben wir Chefchaouen erwandert. Wer von der Medina gen Norden aufbricht, erreicht nach einer relativ kurzen Wanderung die umliegenden Berge. Nach einer halben Stunde Fußmarsch steil bergauf, eröffnet sich uns ein Blick auf Chefchaouen, der die Mühe des Weges vergessen macht: Die von der alten Mauer umschlungene Altstadt leuchtet weiß und blau, das Tal ringsum strahlt grün. Den besten Blick auf die Stadt hat man von der spanischen Moschee. Nach gut 20 Minuten bergauf, kamen wir oben an, haben tolle Fotos gemacht und sind geblieben für einen unvergesslichen, spektakulären Sonnenuntergang.
Die Berge seien eine Cannabis Hochburg, erzählt uns Simo. Wen die Wanderlust gepackt hat, kann sich in einem rund fünfstündigen Fußmarsch zu den Wasserfällen Cascades d’akchour in der näheren Umgebung Chefchaouens aufmachen.

Essen auf marokkanisch: Tajine & Tee

Wieder unten angekommen ist es Zeit für eine Teepause. In Marokko zelebrieren sie Teetrinken als Ritual: jeder Besucher wird mit Tee empfangen. Meistens genügt ein Schluck des frischen Minztees, um Touristen herkömmlichen Tee für immer überdrüssig zu machen.
Wer viel läuft, benötigt viel Energie: den Morgen beginnen wir mit einem marokkanischen Frühstück aus Ei, weichem und frischem Käse, spezieller marokkanischer Mortadella, Oliven, etwas Fleisch und Brot, das wir mit den aufgezählten Zutaten füllen. Frühstück mit Kaffee oder Tee kostet in Chefchaouen nicht mehr als einen Euro. Es ist günstig, lecker und hält satt bis wir uns zum Abendessen ein traditionelles Tajine-Gericht (gewürztes Fleisch wird mit geschmortem Gemüse in einem Lehmgefäß zubereitet) oder einen marrokanischen Salat gönnen. Authentische Küche, die im neuen Teil der Stadt, dem new medina, nicht mehr als 3 Euro kostet. Von Fes aus bringen euch jeden Tag mehrere Busse in rund drei Stunden in die blaue Stadt.

Wenn ihr Chefchaouen noch nicht selbst zu Gesicht bekommen habt, dann wird es höchste Zeit – ihr werdet euer blaues Wunder erleben.

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