Temazcal - Sauna à la mexicana

Temazcal - Sauna à la mexicana

Eine sternenklare Nacht im Bergland von Tepoztlán, Mexiko: Im silbrigen Licht des Vollmondes zeichnen sich die Umrisse einer Kuppel ab. Darin sitzen Menschen um glühend heiße Steine herum, manche liegen. Alle schwitzen. Ein Mann stimmt Gesänge an. „Ometeotl – El es Dios y ella también!“ Immer wieder wird Ometeotl, der duale Gott des Aztekenreiches, angebetet, gerufen. Mit dieser Temazcal-Zeremonie beginnt eine mystische Zeitreise zu den Azteken. Es ist auch eine Reise zurück zu den eigenen Wurzeln.

Reiseinspiration

Schon die Azteken und Maya liebten Wellness

Ein traditionelles Temazcal-Dampfbad dient der Bekämpfung von Krankheiten und der Reinigung von Körper und Geist. Schon die Azteken und Maya kultivierten das große rituelle Schwitzen. „Temazcal“ ist aztekisch und bedeutet „Badehaus“. Das Schwitzen in kleinen Hütten hat im mesoamerikanischen Raum eine jahrhundertealte Tradition: Lange vor Ankunft der Azteken wurde es etwa vom Stamm der Purépecha praktiziert. Die spanischen Eroberer fanden in jeder Siedlung mindestens eine Temazcal-Hütte vor. Sie verunglimpften den Brauch als Hexenzauber und verboten ihn. Doch die uralte Tradition hat überlebt. Noch heute wird sie in weiten Teilen Mexikos zelebriert, vor allem im zentralmexikanischen Bergland. Und auch in Europa wird das Temazcal immer bekannter, besonders in spirituellen Kreisen.

Es gibt Parallelen zum Dampfbad oder zur Sauna wie wir sie kennen, aber ein Temazcal ist mehr, vor allem auf medizinisch-spiritueller Ebene. Durch den Einsatz von Heilkräutern in Verbindung mit Gesängen, Gebeten und Meditation sollen Körper, Geist und Seele in Einklang gebracht, Heilungsprozesse in Gang gesetzt werden. Ein Temazcal-Besuch ist eine durch und durch mystische Erfahrung.

Die Azteken und Maya wussten um die vielen positiven Effekte für die Gesundheit: Stärkung des Immunsystems, Regulation des Herz-Kreislaufsystems, Reinigung der Atemwege, Linderung von Rheuma-Beschwerden, Muskelentspannung, Zellregeneration, Auflösung emotionaler Blockaden. Aztekische Frauen nutzten das Temazcal, um Menstruationsbeschwerden zu lindern, die Muttermilchdrüsen zu aktivieren, das Hautbild zu verfeinern oder einfach, um zu entspannen. Im alten Mesoamerika stand neben der Bekämpfung von Krankheiten immer auch der rituelle Aspekt im Mittelpunkt: Krieger nutzten die indianische Schwitzhütte vor wichtigen Schlachten. Auch vor oder nach der Geburt eines Kindes wurden Temazcals durchgeführt.

Eine Temazcal-Zeremonie nach uralter Tradition erleben

Temazcals nach altem Brauch werden von Schamanen oder Naturheilern geleitet und im Innern einer kuppelförmigen Konstruktion aus Lehmziegeln oder Stein abgehalten. Manchmal wird auch die Inipee-Variante aus Nordamerika genutzt: Ein aus Ruten und Decken gebasteltes Zelt. Die Kuppel gleicht nach der traditionellen Erklärung einer schwangeren Frau, die auf dem Boden liegt, der dunkle warme Raum im Innern symbolisiert den Mutterleib der „Pachamama“ (Mutter Erde) – denn nichts weniger als die Reise zurück zu den pränatalen Wurzeln, Wiedergeburt und Neuschöpfung der Lebensenergie ist das Ziel.

Und das ist der Ablauf einer Temazcal-Zeremonie: In einem riesigen Schichtfeuer (Vater Sonne) werden große Steine zum Glühen gebracht. Schon die Suche nach Holz und Steinen und das Errichten des Feuers sind Teil des gemeinsamen Rituals zwischen dem Temazcalero, seinen Helfern und den Teilnehmern. Vor dem Betreten der Kuppel reinigt der Temazcalero die Teilnehmer mit Copalrauch – bei den Hochkulturen Mesoamerikas galt Copal als Geschenk der Götter und erfuhr zu medizinischen wie rituellen Zwecken Anwendung. Ein guter Temazcalero fragt nach gesundheitlichen „Baustellen“.

Nach einem Stoßgebet in jede Himmelsrichtung geht´s los: Die Teilnehmer kriechen durch die enge Türe ins Temazcal – nicht ohne vorher um Erlaubnis gefragt zu haben, für sich und all ihre Beziehungen: “Pido permiso para entrar, por mi y todas mis relaciones“. Während sich die Teilnehmer im Kreis setzen, beginnt die Zeremonie. Ein Helfer des Temazcaleros, der „Hüter des Feuers“, trägt Stein für Stein in die Mitte des dunklen Raumes. Der Temzcalero bestreut die glühend heißen Steine mit Heilkräutern und übergießt sie mit Wasser, was von Gesängen, Gebeten und Trommeln begleitet wird.

Die Zeremonie ist meist in vier Runden (Puertas) aufgeteilt, die jeweils für ein Thema stehen: Danken, Bitten, Geben und Vision. In der ersten Runde gibt es vier Aufgüsse, in der zweiten sieben, in der dritten zehn, und in der letzten Runde „unendlich“ viele. Traditionell wird zwischen einer und drei Stunden geschwitzt. Die Schwitzhütte sollte während der gesamten Zeremonie nicht verlassen werden – ebenso wenig wie der Bauch der Mutter während der Schwangerschaft. Eine wahre Erlösung, wenn sich nach jeder Runde die Türe öffnet und frische Luft ins Innere der Kuppel dringt!

Mantras, Meditationen, Massagen und Körperreinigungen von außen wie innen können zur Anwendung kommen. Schmerzende Körperstellen werden mit Heilkräutern behandelt, Kräutertees zum Trinken, Aloe Vera zum Einreiben der Haut verbreicht. Traditionelle Lieder handeln von unserer Verbundenheit mit „Pachamama“, ihrem heißen Erdkern, den Göttern und unseren Ahnen, den „Abuelitas“. Sie sind simpel, rhythmisch, sich wiederholend – sodass selbst des Spanischen nicht Mächtige nach einigen Runden mitträllern. Manchmal tragen die mexikanischen Teilnehmer ihre von Generation zu Generation vererbten Lieder vor. Der Temazcalero fragt die Anwesenden nach ihren Wünschen, Herzensangelegenheiten oder Problemen. Man darf reden, muss aber nicht. Durch den Austausch entsteht eine emotionale und intime Atmosphäre.

Das Temazcal lebt von den fließenden Energien seiner Teilnehmer. Saunagänger werden bald merken, dass zum Bekannten etwas Neues dazu kommt: Eine spezielle Magie, eine tiefe mystische Erfahrung, ein tranceähnlicher Rausch. Tränen fließen, wildfremde Menschen umarmen sich in der Dunkelheit, halten sich die Hände, lassen ihren Gefühlen freien Lauf. Altes, Verdrängtes kommt hoch, unbekannte Lieder werden mitgesungen als habe man ein Leben lang nichts anderes getan. Im Chor dankt man, verzeiht man, lässt negative Gefühle und Energien los. Die Zeremonie kulminiert im gemeinsamen Ruf: „Soy libre“ – „Ich bin frei!“ Kriechend verlässt man den geschützten Bauch von Mutter Erde und fühlt sich wahrlich wie neugeboren, befreit, gereinigt! Nach der heiß ersehnten kalten Dusche oder dem Sprung in den Pool reicht der Temazcalero frisches Obst und stilles Wasser – beides schmeckt geradezu paradiesisch. Noch immer möchte man jeden, und sich selbst, umarmen.

Einer Temazcal-Zeremonie wohnt eine ganz besondere Magie inne. Vielleicht ist es ja das mystische Erbe der Azteken und Maya, die dieses Ritual vor Jahrhunderten kultivierten? Wenn du Dampfbäder und Sauna liebst und zugleich Wert legst auf Spiritualität, solltest du dir ein „echtes“ Temazcal nach uralten Traditionen nicht entgehen lassen.

Tipps für ein authentisches Temazcal-Erlebnis in Mexiko

Die moderne Form des Temazcals, wie sie in vielen mexikanischen Hotels angeboten wird, ist bequemer und mit Sitzbänken und einem Ofen ausgestattet. Doch nur im traditionellen Temazcal, das in freier Natur stattfindet, vereinen sich die vier Elemente Luft, Wasser, Feuer, Erde. Willst du deine Temazcal-Zeremonie so ursprünglich und naturverbunden wie möglich erleben, solltest du diese Form wählen und dich auf langes Sitzen und Liegen auf der Erde einstellen. Übrigens: Im Unterschied zu unserer Sauna geben sich die Mexikaner züchtiger. Frauen tragen oft lange Röcke und ein leichtes Oberteil, Männer kurze Hosen. Im Spa-Temazcal der Hotels genügt Badekleidung.

In den Städten Cuernavaca, Temixto, Tepoztlán und Tlayacapan (alle ca. eineinhalb Stunden südlich von Mexiko-Stadt gelegen) triffst du auf ein breites Angebot an traditionellen Temazcals im Freien und Hotels, die über ein Temazcal in ihrem Spa-Bereich verfügen.

Anreise nach Tepoztlán

Lufthansa fliegt direkt von Frankfurt nach Mexiko-Stadt, Air France und British Airways von den größten deutschen Flughäfen mit Zwischenstopps. Vom Flughafen fahren fünf Mal täglich Busse nach Tepoztlán (1 Std. 25 Min., ca. 8 Euro).

Unterkunft in Tepoztlán

Das Luxus-Hotel La Buena Vibra lockt mit einem großen Spa-Bereich mit Temazcal, Pool im Garten mit atemberaubender Vegetation und Blick auf die Berge, Luxuszimmer ab 130 Euro, Mehrbettzimmer ab 32 Euro.
La Gruta Dimensional liegt abgelegen in den Bergen. Zum kleinen aber feinen Gästehaus gehört ein Temazcal im Freien sowie ein Pool, Doppelzimmer ab 55 Euro.
Klein und familiär ist die zentral im Dorf gelegene Hospedaje Gema, die über einen reizvollen Spa-Bereich mit Temazcal im Freien verfügt, Doppelzimmer ab 30 Euro.

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