Roadtrip in Norwegen – Unterwegs auf der Landschaftsroute „Sognefjellsvegen“

Roadtrip in Norwegen – Unterwegs auf der Landschaftsroute „Sognefjellsvegen“

Es gibt wenige Länder in Europa, die Abenteuerlustige, Outdoor-Begeisterte und Roadtrip-Junkies so sehr anziehen wie Norwegen. Schuld daran ist allein die Natur: Zerklüftete Bergkulissen, tiefe Fjorde, üppige Täler und blauschimmernde Gletscher bestimmen die beeindruckende Landschaft im hohen Norden. Bei einer Autofahrt bieten sich auch abseits der zahlreichen Aussichtspunkte immer wieder spannende Panorama-Ausblicke – ganz egal, ob man auf einer gewöhnlichen Landstraße unterwegs ist oder auf einer der 18 „nasjonale turistveger“, der szenischen Landschaftsrouten Norwegens.

Reiseinspiration

In unterschiedlichen Regionen gelegen, zeigen sie die natürliche Vielfalt des Landes. Für alle Bergliebhaber ist eine Route besonders interessant: Die Route 55 auf der Strecke zwischen Gaupne und Lom, auch Sognefjellsvegen genannt. Sie führt über den höchsten Gebirgspass Nordeuropas und entlang des Nationalparks Jotunheimen, des „Heimes der Riesen“, in dem sich der höchste Berg Norwegens befindet.

Die eigentliche Route 55 beginnt im Westen Norwegens, in Küstennähe. Wer aus Bergen startet, kann den Straßenverlauf entlang des Sognefjords genießen, muss allerdings zeitlich und preislich die Fähren zwischen Oppedal und Lavik und zwischen Dragsvik und Hella mit einrechnen. Nach einer Umrundung des längsten Fjords von Norwegen an seinem nördlichen Rand beginnt der Sognefjellsvegen in Gaupne. Das erste Teilstück führt am Lustrafjord vorbei, bis der Weg bei Skjolden endgültig die Welt der Fjorde verlässt und die schneebedeckten Berge am Horizont größer werden. Schon geht es in engen Serpentinen bergauf. Bald mündet eine private Mautstraße in die Route 55, die ein perfekter Einstiegspunkt für alle Besucher aus Richtung Oslo ist: Es ist der Tindevegen, der ab Øvre Årdal an den höchsten Gipfeln des Hurrungane-Gebirges vorbei führt. Trotz seiner kurzen 32km sollte man die Fahrtzeit nicht unterschätzen, da es auch hier steil bergauf geht. Tindevegen und Sognefjellsvegen verbinden sich am Turtagrø-Hotel, das schon seit Ende des 19. Jahrhunderts eine traditionelle Unterkunft der norwegischen Bergsportler ist. Am kreisförmigen Rastplatz auf der anderen Straßenseite lässt sich bequem eine Pause einlegen. Wer jedoch eine luftigere Aussicht bevorzugt, fährt noch gut drei Kilometer weiter, bis er die kleine Aussichtsplattform Nedre Oscarshaug erreicht, von wo aus sich ein Panorama-Blick über die gegenüberliegenden Hurrungane-Berge eröffnet. Von hier aus geht die Fahrt weiter durch zerklüftete Hochgebirgslandschaften und an zahlreichen Bergseen vorbei, in denen sich bei sonnigem Wetter die hohen Felsen spiegeln.

Zu Gast im Bergsportparadies Jotunheimen

Direkt hinter der Grenze, die die Provinz Sogn og Fjordane von der Provinz Oppland trennt, taucht der Rastplatz Mefjellet mit seiner bekannten Steinskulptur auf. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zur beliebten Sognefjellshytta, die auf 1400 Metern am höchsten Punkt des Passes steht. Die alten, traditionellen Gebäudeteile der Hütte wurden durch eine neue Konstruktion aus Holz und Glas miteinander verbunden und können etwa 80 Gäste beherbergen. Die Sognefjellshytta ist Ausgangspunkt für viele Wander- und Skitouren, die in das Herz Jotunheimens führen. Ganz in der Nähe befindet sich der Gipfel des Galdhøppingen. Mit 2469 Metern ist er nicht nur der höchste Berg Norwegens, sondern ganz Nordeuropas! Erfahrene Wanderer erreichen über zwei verschiedene Routen mit Gletscherquerung in einer Tagestour den Gipfel.

Nach der Hütte führt die Weiterfahrt über einige enge Kurven langsam bergab. Von nun an folgt die Straße dem Tal Bøverdalen am Rande des Breheimen-Nationalparks, der nordwestlich an Jotunheimen grenzt. An der Abzweigung zur Leirvassbu-Hütte findet sich ein letzter Aussichtsplatz, die runde, freistehende Plattform Vegaskjelet. Die Abfahrt führt durch das kleine Dorf Galdbygde bis zum Picknickplatz Liasanden, der versteckt im Kieferwald am Ufer des Flusses Bøvra liegt.

Der Sognefjellsvegen endet in Lom. Wer mehr über die eindrucksvolle Bergwelt erfahren möchte, die er soeben passiert hat, ist im „Norsk Fjellmuseum“ richtig. Das „Fossheim Steinsenter“ zeigt eine umfangreiche Ausstellung von lokalen Mineralien und Kristallen. Die Sehenswürdigkeit Nummer 1 in Lom ist aber die hölzerne „stavkirke“, die zu den größten erhaltenen Stabkirchen des Landes zählt und deren Bauanfang sich bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurückdatieren lässt.

Praktische Tipps für einen Roadtrip auf dem Sognefjellsvegen

Ein Roadtrip über den Pass Sognefjellet ist nur im Sommerhalbjahr möglich. Die Straße öffnet meist Anfang Mai und schließt gegen Ende Oktober. Im Winter fallen hier unglaubliche Schneemassen, die eine Durchfahrt unmöglich machen. Davon zeugen die Orientierungsstäbe längs der Fahrstrecke, die im Sommer verwundern mögen, aber im Winter oft nur als kleine rote Markierung aus der meterhohen Schneedecke herausschauen. Selbst im Frühjahr gleicht der Sognefjellet noch einer wunderlichen weißen Landschaft, die Straße führt an vielen Stellen durch tunnelartige Schneeauftürmungen. In den Sommermonaten erscheinen die satten Grüntöne der Moose und Flechten in den Hochebenen und die ganze Landschaft zeigt sich in einem anderen Gewand.

Trotz seiner 100 Kilometer Länge sollte man mindestens einen ganzen Tag für den Sognefjellsvegen einplanen, um in aller Ruhe die Panoramaausblicke genießen zu können. Die normale Reisegeschwindigkeit von 60-80km/h ist stark von der Wetterlage abhängig, die sich wie in jeder Gebirgsregion relativ schnell verändern kann. In den engen Serpentinen kommt man sowieso nicht schneller als 30 Kilometer pro Stunde voran. Tanken sollte man unbedingt vorher in Skolden, Øvre Årdal oder Lom, da es auf der Gebirgsstrecke dafür keine Möglichkeit gibt.

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