Mit Schweinen schwimmen . Und was man sonst so auf den Bahamas macht

von Bernadette Olderdissen

Mit Schweinen schwimmen . Und was man sonst so auf den Bahamas macht

Die Bahamas gelten als Schickimicki-Destination schlechthin, als Ort, wo nur die Stinkreichen und Schönen Urlaub machen oder gar Häuser kaufen. Falsch. Oder gut, zum Teil stimmt es natürlich. Aber darüber hinaus findet man auf den Insel noch mehr Normalmenschen und eine Menge Menschlichkeit. Nicht nur türkisfarbenes Wasser, sondern die allerbesten Farbnuancen, die Meereswasser zustande bringt. Und einmalige Mitschwimmgelegenheiten. Ausnahmsweise nicht nur mit handzahmen Delfinen oder zahnlosen Haien. Nein, mit ganz normalen – aber wild lebenden – Hausschweinen. Und was lässt sich sonst in und um Nassau so alles tun? Hier erfahrt ihr es.

Reisebericht

Insel zu verkaufen

Zunächst einmal: Die Bahamas sind nicht eine Insel, sondern über 700 Inseln, von denen nur 30 bewohnt sind. Und die unterscheiden sich alle so sehr voneinander wie Berlin und Rom und London. Man kommt meist auf New Providence an, in der Hauptstadt Nassau, wo auch die Kreuzfahrtschiffe ihre Passagiere freilassen. Wer die nicht mag, verschwindet am besten auf eine der sogenannten „Outer islands“, die äußeren Inseln. Erst diese bieten genau das, was man sich leichthin unter „Paradies“ vorstellt. Leider sind die Paradiese jedoch nicht so leicht erreichbar. An richtig stürmischen Tagen, wenn die Boote nicht fahren können, fliegen nur zahlreiche Airlines mit Namen wie Pineapple Air oder Flamingo Air. Ganz billig sind sie nicht, aber super zum Insel-Hoppen geeignet. Und sie versprechen echte Abenteuer, denn meistens sitzt man direkt hinterm Kapitän und fühlt sich wie im schönsten Flugsimulator.

Eine der Inseln mit dem klarsten Wasser und den einsamsten Stränden ist Exuma – oder sind die 365 Exuma-Inseln. Vor allem stehen sie für eins: schwimmende Schweine. Wer nicht ein paar hundert Dollar für eine eintägige Bootstour zu den schwimmenden Schweinen hinlegt, war nicht wirklich auf den Bahamas. Einmal im Leben in türkisblauem Meer mit wilden Säuen schwimmen – ein Traum. Dazu geht’s nach Big Major Cay, einer der vorgelagerten, kleinen und flachen Inseln aus Korallen- oder Sandablagerungen. Ich bin an Bord mit Coastline Adventures, dem hippen Captain C.J. und seinem Bootsjungen Yellow.

Wir jagen an unzähligen Villen vorbei, darunter an der Privatinsel von David Copperfield. Das hübsche Häuschen mit Türmchen und überdimensionaler Fensterfront dürfen auch Besucher mieten. „Für 50.000 Dollar die Nacht, mit Koch, Personal und sonstigem Drum und Dran“, erzählt C.J. Mindestaufenthalt eine Woche. Da lohnt es fast, sich gleich für ungefähr 40 Millionen Dollar eine eigene Insel zu kaufen. Und sich als Nachbar von Captain Jack Sparrow oder Faithhill zu wähnen.

Mit Schweinen im tiefblauen Meer

Irgendwann geht das Boot in eine scharfe Rechtskurve. Endlich – Big Major Cay liegt vor uns. Und schon strampeln sie neugierig auf uns zu. Richtig wohlgenährte Schweine. Schnell versteht sich, dass die Tiere weniger neugierig als hungrig sind, denn die Touristen füttern gerne und viel, damit die Tierchen auch fürs Foto bleiben. Wer das Brot nicht schnell genug teilt, bekommt einen Hufen-Tritt. Ein bisschen komisch fühlt es sich schon an, im karibischen Meer zwischen den Borstenviechern herumzuschwimmen.

Wie sie überhaupt an den Strand gekommen sind, ist nicht ganz klar, doch Legenden gibt es einige. Die Schweine könnten sich bereits im 18. Jahrhundert von einem gekenterten Schiff gerettet haben. Oder sie wurden zur Zeit des Golfkriegs von Bauern des benachbarten Staniel Cay ausgesetzt. Egal, wie sie den weißen Traumstrand erobert haben, sie sehen nicht aus, als wollten sie ihn so schnell wieder hergeben.

Baden mit Leguanen oder Ammenhaien

Weniger schweinisch präsentieren sich andere Stränden der Exumas. Dafür fühlt man sich am Strand von Allen Cay in eine harmlose Version von Jurassic Park versetzt: Unmengen von Leguanen sitzen wie die Hühner auf der Stange im Sand. Und freuen sich über das Grünzeug, das Besucher mitbringen. Ich werde fast einen Daumen los, als ein ausgehungerter Leguan danach schnappt.

Die Finger gar nicht erst ausstrecken sollte man bei den Nachbarn der Leguane, den Ammenhaien am Compass Cay. Ein Millionär hat sie aufgepäppelt, und nun schwimmen sie vollkommen frei im paradiesischen Meer herum. Wer sich wie einer von ihnen fühlen möchte, sollte zumindest die Hand zur Faust ballen, damit die Finger nicht mit köstlichen Kleinfischen verwechselt werden.

Schuh-shoppen auf den Bahamas

Schuhfans aufgepasst: In Nassau gibt es Schuhe, die auf den Bahamas und vielleicht weltweit einzigartig sind – Turnschuhe aus Stroh. Die Idee kam dem heute 42-jährigen Bahamaer Marvin Storr 2015, als ihm einer seiner Söhne kaputte Turnschuhe brachte. Marvin, ursprünglich Senior Manager in der Ölindustrie, probierte sich im Schuhe-Flicken, was ihm sogar Spaß machte. Und plötzlich kam ihm der Gedanke, dafür auf den Bahamas wachsendes Stroh zu verwenden. Nur die Rohlinge, weiße Gummisohlen mit weißen Kappen, stammen aus den USA. Seit 2017 arbeitet er als erfolgreicher Schuhmacher mit nunmehr drei Geschäften. „Pro Tag schaffe ich etwa drei Paar und mache jetzt auch Flipflops aus Stroh“, erzählt er.

Beim Gottesdienst Frieden tanken

Das Beste zum Schluss: Meine Lieblingsaktivität auf den Bahamas kostet keinen Cent. Und sie bringt mir mehr über das Land und seine Menschen bei, als die vielen 4- oder 5-Sterne-Hotels und jeglicher Luxus. Das Schönste, was man auf den Bahamas machen kann, ist, einfach mal in einen Gottesdienst zu gehen. Selbst als Nichtkirchengänger oder jemand, der daheim die Kirchensteuer spart. Kirchen findet man bereits in Nassau mehr als auf den Exumas Schweine, Leguane und Ammenhaie. Es gibt katholische und protestantische, Anglikaner, Baptisten, Methodisten, Lutheraner und jede Menge Freikirchen. Eines schönen Sonntagmorgens sitze ich in einer lutherischen Kirche. Pastor Samuel Boodle begrüßt die Gemeinde in einem großen, hellen Raum mit hölzerner Decke. Die meisten Kirchenbesucher riechen frisch geduscht und haben sich in Schale geworfen. Es gibt Live-Musik mit Saxophon, Trommeln und einer stadtbekannten Sängerin, Tierra Rolle. Als sie mit klarer Stimme und einem Kleinkind auf dem Arm „Majesty“ anstimmt, kullert bei den Gottesdienstbesuchern manche Träne.

Pastor Samuel predigt lange, dann beginnt das „spread the peace“. Frieden wird verbreitet, indem jeder seinen Nachbarn die Hände schüttelt oder sie umarmt. Plötzlich spüre ich Arme um meine Hüfte. Ein Junge, der in der Bank vor mir immer Faxen mit seinem Kumpel gemacht hat, sieht lächelnd zu mir auf. „May peace be with you“, flüstert er. Und ich frage mich auf einmal, ob wir nicht alle ein bisschen zufriedener wären, wenn wir öfter mal spontan umarmt und angelächelt würden.

Wer sich auf den Bahamas als einziger Weißer in eine Kirche wagt, braucht sich danach nicht zu wundern, wenn er vom Pastor auch gleich zum Mittagessen eingeladen wird. Bevor ich mich versehe, sitze ich vor Fisch, Reis, Salat und Mac & Cheese. Der Geistliche plaudert aus seinem Leben, wir lachen viel. Das bestimmte Gefühl überkommt mich, dass ich mehr Schwein habe als jeder Besucher des Big Major Cay. Denn es ist schön, in einem der teuersten Reiseländer der Welt geldlos vollkommen glücklich zu sein. Weil eine Umarmung, ein Lächeln und die bahamaische Gastfreundschaft eben unbezahlbar sind.

Die Reise wurde unterstützt vom Tourismus-Ministerium der Bahamas: https://www.bahamas.com/ mit Direktflug mit Condor von Frankfurt nach Nassau.

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