Mit dem Zug durch die Meeralpen: von Cuneo nach Ventimiglia

Mit dem Zug durch die Meeralpen: von Cuneo nach Ventimiglia

Am südwestlichen Zipfel der Alpen, in der Grenzregion von Italien und Frankreich, liegt die Bergkette der Meeralpen (auch: Seealpen). Obwohl nur knappe 50 Kilometer entfernt von der Mittelmeerküste um Monaco und Nizza, erhebt sich der höchste Gipfel, der Monte Argentera, auf knapp 3.300 Meter. Der italienische Teil der Bergkette in den Regionen Piemont und Ligurien heißt ligurische Alpen und ist über den Tenda-Pass (ca. 1900m) mit den französischen Meeralpen verbunden. Durch diese bergige Region führt eine alpenquerende Bahn, die die Besucher*innen auf eine abenteuerliche Reise von den schneebedeckten Gipfeln bis hinunter auf das Meeresniveau mitnimmt.

Cuneo: Am Fuße der ligurischen Alpen

Die Zugreise startet in Cuneo. Bevor es losgeht, sollte man sich unbedingt die Zeit nehmen, einen Spaziergang durch diese Kleinstadt zu machen, die das Eingangstor zu den ligurischen Alpen darstellt. Die weitläufige Piazza Galimberti ist der sehenswerte Ausgangspunkt zu einem Rundgang durch die Altstadt. Ihre Arkaden gehen über in die Fußgängerzone der Via Roma, unter deren Rundbögen sich viele Restaurants und Geschäfte verstecken und man gut Zuflucht vor der Mittagssonne suchen kann.

Vom Bahnhof in Cuneo aus führt die Reise über den Wintersportort Limone direkt in die Berge. Nach kurzer Zeit erreicht die Bahn die französische Grenze und damit den Tunnel des Tenda-Passes. Der Tunnel ist über acht Kilometer lang und das Pendant zum Tunnel für den Straßenverkehr, der mittlerweile die spektakuläre Passstraße mit ihren dutzenden Serpentinen und eindrucksvollen Festungsanlagen ersetzt. Der Straßentunnel ist über 200 Jahre alt und wird heute aufgrund seiner schmalen Fahrbahn nur noch einspurig befahren. Auf der anderen Seite erwarten einen zwischen den wiederholten Tunnelstrecken atemberaubende Ausblicke auf die umliegenden, über 2.000 Meter hohen Gipfel in der Umgebung des Nationalparks Mercantour.

Tende: Mittelalterliches Dorf am Rande des Nationalparks Mercantour

Das erste größere Dorf auf der französischen Seite ist Tende mit über 2.000 Einwohner*innen. Auf knapp über 800 Metern gelegen, besticht Tende durch sein mittelalterliches Flair, das vor allem im historischen Ortskern und den gemütlichen kleinen Gassen zu spüren ist. Ein bizarrer Mauerrest der Burg der Lascaris erhebt sich neben dem großen Uhrenturm über der Altstadt. Noch höher, auf einem Gipfel oberhalb des Dorfes, thront die historische Kapelle Saint Sauveur, die man auf einer einstündigen Wanderung über eine Hängebrücke erreichen kann.

Der Ort St. Dalmas de Tende, direkt neben Tende gelegen, ist Ausgangspunkt für einen Besuch im berühmten Tal der Wunder (frz. Vallée des Merveilles), das im Nationalpark Mercantour liegt. Das Hochgebirgstal auf 2000 Metern in unmittelbarer Nähe des Berges Bégo beherbergt über 40.000 prähistorische Felsgravuren der ligurischen Volksstämme, die auf mehreren Wanderungen besichtigt werden können. In Tende befindet sich neben einem Tourismusbüro auch das Museum zum Tal der Wunder, in dem man alle nötigen Informationen bekommt.

Die Zugfahrt führt weiter Richtung Süden durch das Roya-Tal, am gleichnamigen Fluss entlang. Eindrucksvolle Brücken, Viadukte, Kehrtunnel und Galerien machen die Reise zu einem besonderen Erlebnis. In einigen Tunneln sind Festungsanlagen und Schießscharten erhalten, die an die politischen Spannungen zwischen Italien und Frankreich in den letzten beiden Jahrhunderten erinnern.

Breil-sur-Roya: Historische Gassen im Roya-Tal

Schließlich hält die Bahn im Ort Breil-sur-Roya. Wie übrigens auch Tende und Nizza gehörte Breil in früheren Zeiten zum italienischen Staatsgebiet. Am Bahnhof von Breil teilt sich die Zugstrecke: Während der von Cuneo kommende Zug weiter in Richtung Ventimiglia fährt, kann man ebenfalls in einem französischen Zug umsteigen, der mehrmals am Tag über Sospel nach Nizza fährt.

Die Häuser von Breil schmiegen sich eng gedrängt an einen Berghang, auf dem noch Überreste einer militärischen Festungsanlage zu sehen sind. Ebenfalls erhalten ist der Cruella-Turm ein Stück weiter oben auf derselben Bergflanke, der über eine halbstündige Wanderung zu erreichen ist und einen hervorragenden Blick über das Roya-Tal und die Umgebung von Breil bietet. Die engen Gassen von Breil mit ihren Rundbögen, hölzernen Toren und überdachten Passagen scheinen einen in der Zeitrechnung ein paar Jahrhunderte zurückzuwerfen.

Kurz hinter Breil erreicht die Bahn erneut die Grenze und durchquert die Ausläufer der Berge auf der italienischen Seite. Die Landschaft erinnert nun immer mehr an die flache Mittelmeerregion mit typischer Vegetation aus Olivenbäumen und Zypressen.

Ventimiglia: Endstation der Reise durch die Meeralpen

Schließlich erreicht die Bahn die italienische Ortschaft Ventimiglia (frz. Ventimille) und damit die italienische Riviera. Ein Spaziergang durch die lebendige Altstadt mit ihren vielen Cafés und Gelaterias lohnt sich in jedem Fall. Von hier aus bietet sich die Weiterreise ins benachbarte Monaco oder ins französische Nizza an, mit denen Ventimiglia durch eine schöne Zugstrecke entlang der Küste verbunden ist.

Praktische Infos für eine Zugfahrt durch die Meeralpen

Wer die Meeralpen mit dem Zug erkunden möchte, sollte sich vorab gut über die Fahrzeiten informieren. Ab Cuneo gibt es nur zwei Züge pro Tag (morgens und nachmittags), die bis nach Ventimiglia fahren. Gleiches gilt für die Gegenrichtung. Die Reisegeschwindigkeit ist auf der gesamten Strecke eher gemächlich, da das bergige Gelände und die vielen Tunnel und Kurven keine hohen Geschwindigkeiten erlauben. Deswegen dauert die gesamte Fahrt fast drei Stunden. Dafür hat man genügend Zeit, das Panorama der Meeralpen vom Zugabteil aus zu bewundern.

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