Laissez Faire in Essaouira

Laissez Faire in Essaouira

Eine Oase der Ruhe im hektischen Marokko: In Essaouira an der Atlantikküste lässt man es gemütlich angehen. Hier sonnen sich die Katzen auf den historischen Stadtmauern die Einheimischen sitzen auf ihren Dachterrassen und trinken Berberwhisky.

Reisebericht

Da will ich auch hin!

Marokko ist lebendig: Voller Gerüche, Geräusche und dem Leben der Straße. Als ich mich auf meiner Reise durch das Königreich nach ein bisschen Ruhe sehne, mache ich mich auf in eine Stadt, die wie eine Verheißung klingt: Essaouira. In der Stadt am Atlantik, heißt es, spielen sie Reggae in Straßencafés und an den Stränden verbringen langhaarige Surfer den Tag in der Sonne. Wen es hierherzieht, dem ist die Freiheit wichtig, das selbstbestimmte Leben. Schon in den späten Sechzigern wehte Essaouiras Ruf bis nach Europa und erreichte vor allem die Bohemia: Mick Jagger von den Rolling Stones soll hier gewesen sein und Jimi Hendrix sowieso.

„Stadt der Winde“ wird Essaouira auch genannt, in Anspielung an die Meeresbrisen des Atlantik, die einem hier um die Ohren wehen, und damit Abkühlung vor dem heißen Klima Nordafrikas bieten. Während es im Landesinneren in den Sommermonaten bis zu 40 Grad heiß werden kann, bleiben hier die Temperaturen ganzjährig mild und erreichen im Sommer bis zu 27 Grad. Surfer erwischen die besten Wellen von Mai bis August. Zum Schwimmen sind vor allem die Monate Juli, August und September geeignet.

Über den Dächern von Essaouira

Ich spaziere durch die verwinkelten Gassen der Altstadt von Essaouira, das von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Enge Straßen, tiefe Torbögen und blaugestrichene Fenster und Türen bestimmen das Straßenbild. Die Katzen sonnen sich auf den Mauern der Stadt, während auf dem Markt Orangen, Gewürze und süßes Gebäck verkauft werden.

Früher war Essaouira eine wichtige Hafenstadt. Karawanen aus dem malischen Timbuktu durchquerten die Wüste, um hier Waren in alle Welt zu verschiffen. Heute schlägt hier das Herz einen Takt langsamer als an anderen Orten Marokkos. Nirgendwo kann man es sich gemütlicher machen, als auf den Dachterrassen der Stadt. Von hier sieht man hinunter bis auf das Mittelmeer und beobachtet die Möwen.

Das Meer immer im Blick

Essaouira war einst die Heimat einer großen jüdischen Gemeinde. Über 67 Synagogen befanden sich in der kleinen Stadt. In den 1960ern wanderte die Gemeinde fast vollständig nach Israel aus, aber im jüdischen Viertel erinnern Davidsterne an den Hauseingängen noch immer daran, wer hier einst Zuhause war. Noch heute ist man stolz auf das Erbe der Stadt, zwei der Synagogen sind bis heute erhalten geblieben und können besichtigt werden.

Hinter der blauen Tür von Slat Lkahal Mogador befindet sich ein gut erhaltener Gebetsraum mit orientalischen blauen Lampen – von hier aus lässt es sich auch einen guten Blick auf das angrenzende Meer und das bunte Treiben auf den Straßen werfen. Auch die Einrichtung der Synagogue Haim Pinto ist in weißen und blauen Tönen gehalten. Leider spricht man hier nur arabisch und kann mir bei weiteren Fragen nicht weiterhelfen – ich muss wohl noch an meinen Arabischkenntnissen arbeiten.

Berberwhisky – das süße Laster der Bedouinen

Inschallah – so Gott will – kann ich schon mal sagen. Damit necke ich manchmal die Verkäufer, denen ich andeute, vielleicht ein anderes Mal wieder zu kommen, wenn sie mir zu aufdringlich werden, aber nur so Gott will. Zum Glück verstehen sie hier Humor. Auch wer nichts kauft, wird gerne auf einen süßen Minztee und einen Plausch ins schattige Innere der Geschäfte eingeladen. Man zeigt mir Fotos von Kamelen, die Coca Cola aus der Flasche trinken und lacht gerne.

Viele der Verkäufer sind Bedouinen und stammen eigentlich aus kleinen Dörfer der Sahara. Sie stammen aus einem Volk der Nomaden – heute reisen sie meist zwischen Essaouira und der Wüste hin und her, um den Touristen Krummdolche, Amulette oder traditionelle Gewänder zu verkaufen. Mein Lieblingsstück ist ein Anhänger, mit dem man mithilfe des Nordsterns am Himmel die Richtung bestimmen kann. Der Tee, den man hier serviert, nennen die Einheimischen „Berberwhiskey“. Doch es handelt sich keineswegs um Alkohol: In kleinen silbernen Kannen wird Minze, ganz viel Zucker und je nach Jahreszeit andere Kräuter gekocht. Beim Ausschenken wird die Kanne oft Zentimeter über der Kasse geschwenkt – je höher die Kanne beim Ausschenken gehalten wird, desto mehr Respekt wird dem Gast gegenüber gebracht.

Der alte Mann und das Meer

Am Abend steht die Sonne glutrot am Himmel. Möwen fliegen aufgeregt umher und die Katzen erwachen langsam aus ihrem ausgedehnten Mittagsschlaf. Ich folge Ihnen in den Hafen, wo die Fischerboote von ihren Fahrten zurückkehren. Männer entladen Körbe voller Fische, die verladen oder direkt am Straßenrand gebraten werden. Die Katzen finden hier ihr Abendmahl. Ich spaziere über die breite Außenmauer des Hafens und sehe dem Treiben zu, als ich auf einen alten Fischer treffe.

Mohammed muss um die 70 Jahre alt sein, besitzt nur noch wenige Zähne, trägt aber dennoch ein Lächeln auf den Lippen. Wir sprechen über die Möwen und die Schönheit des Meeres. Mohammed lädt mich ein, am nächsten Tag mit seiner Familie und den Enkeln Couscous zu essen. Leider muss ich am nächsten Tag bereits weiterreisen – aber vielleicht verweht es mich ja eines Tages wieder in die Stadt, wo die Freiheit großgeschrieben wird.

Tipps für deine Reise nach Essaouira

Anreise
Essaouira liegt circa 230 Kilometer südwestlich von Marrakech an der Atlantikküste. Von Marrakech lässt es sich am besten per Bus erreichen. Die einheimische Linie Supratours fährt die Strecke mehrmals täglich an. Die Fahrt dauert etwa drei Stunden. Alternativ lässt sich auch ein Taxi oder Mietwagen nehmen. Auch aus Agadir ist Essaouira mit dem Bus einfach zu erreichen.

Übernachten
Besonders in der Nebensaison lässt es sich in Essaouira sehr günstig übernachten. Du hast die Wahl zwischen Hostels, landestypischen Riads oder Hotelzimmern. Die meisten Unterkünfte liegen direkt in der Altstadt und damit nahe am Geschehen. Es lohnt sich darauf zu achten, dass die Unterkunft deiner Wahl eine Dachterrasse besitzt – hier lässt es sich entspannen und mit Blick aufs Meer gemütlich süßen Tee trinken.

Kaufen
Zwar ist die Atmosphäre in Essaouira viel entspannter als etwa in Marrakech, doch wie überall in Marokko hoffen auch hier Einheimische mit Touristen Geld zu machen. Lass dich nicht von den Menschen verunsichern, die dir ein Hotelzimmer, ein Restaurantbesuch oder ein Henna-Tattoo aufschwatzen wollen. Auch wer dir ungefragt den Weg durch die Altstadt zeigen möchte, hofft oft auf ein Trinkgeld. Bleibe freundlich, gehe bestimmt deines Weges – und genieße in Ruhe deinen Urlaub.

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