Kulinarisches Teneriffa - Wein, Ziegenkäse und alte Klamotten

von Bernadette Olderdissen

Kulinarisches Teneriffa - Wein, Ziegenkäse und alte Klamotten

Wusstet ihr, dass auf Teneriffa wunderbarer Wein produziert wird, der fast ausschließlich auf den Kanaren konsumiert wird? Und ganz hervorragender Ziegenkäse, der sogar internationale Preise gewinnt? Man kann gut einen Tag mit der Verköstigung verbringen – oder sich bei richtig deftiger kanarischer Küche in einem luftigen Guachinche, den typischen und von den Einheimischen frequentierten Lokalen, für eine Wanderung stärken. Unter anderem mit alten Klamotten.

Food

Da will ich auch hin!

Stelldichein mit Wein & Sex

„Kanarischer Wein“ ist keine Verbindung, die man oft hört. Das liegt unter anderem daran, dass die Weine der Kanarischen Inseln nicht von internationaler Bedeutung sind – dafür bestehen nicht genug Anbauflächen auf den einzelnen Inseln, so auch auf Teneriffa nicht. Doch Besucher haben das Glück, den bei den Einheimischen beliebten, kanarischen Wein verköstigen zu dürfen. Und die Überraschung ist groß: Die Qualität ist vorzüglich. Auf Teneriffa stammen die besten Rotweine aus dem Orotava-Tal oder aus Tacoronte im Norden.

Am spannendsten ist es, Weine direkt an der Quelle zu probieren, beispielsweise bei Bodegas Monje. Diese hat daneben auch etwas ganz Heißes im Angebot: Wine & Sex,was groß auf einem Plakat mit einer halbnackten, lasziv auf einem Weinfass ausgestreckten Frau angekündigt wird. Auf der Website werden Wein und Sex als besonders sinnliche Erfahrungen dargestellt, deshalb gebe es in der Bodega ab und zu erotische Wein-Stelldicheins – mit erotischen Filmeinlagen, Ausstellungen und Kostümen. Die Chance, an einem teilzunehmen, habe ich leider nicht.

Ziegenkäse Deluxe

Nicht nur Teneriffa, sondern die Kanaren allgemein sind bekannt für Ziegen und Ziegenkäse. Die größte Produktion findet auf Fuerteventura statt, doch auch auf Teneriffa leben etwa 55.000 Ziegen, dagegen nur 5.000 Kühe. Eine Käserei, die sich an die Spitze hochgearbeitet hat, ist Montesdeoca nördlich von Adeje an der Westküste. Der Familienbetrieb begann vor drei Generationen mit Viehzüchtern auf La Palma, als sich Leoncio Gregorio Montesdeoca, der Großvater, 1984 erstmals in der Kunst der Käseproduktion probierte. Mitte der 90er zog der Betrieb von La Palma nach Teneriffa, wo der Sohn übernahm und es schaffte, mit seiner Produktion internationale Anerkennung zu gewinnen.

„Besonders wichtig ist die Trennung der Tiere nach Futterbedarf, der zum Beispiel bei Weibchen, die gerade Junge bekommen haben, ganz anders aussieht als bei welchen, die erst demnächst gepaart werden“, erklärt Alberto, ein Mitarbeiter, der auch Führungen durch die Käserei mit Kostproben anbietet. Deswegen sind die Tiere in unterschiedlichen Ställen untergebracht. Wenn die Euter richtig prall sind, ist Melken angesagt. Mitarbeiter legen die Pumpen von Hand an, dann geht es los mit dem ersten Schritt einer langen Käseproduktion. Über die Jahre hat die Käserei Montesdeoca zahlreiche Preise abgesahnt, darunter 23 des renommierten World Cheese Award, der einmal pro Jahr verliehen wird.

Einfach, deftig, kreativ

Mit diesen drei Begriffen lässt sich die kanarische Küche gut zusammenfassen. Sie entwickelte sich aus den Grundnahrungsmitteln, da es den Menschen an Geld für hochwertige Zutaten und aufwendige Speisen fehlte. Eine Zutat, um die auch Urlauber nicht herumkommen, ist Gofio – Mehl, das aus gerösteten Mais-, Hirse- oder Gerstenkörnern hergestellt wird. Wer es einmal probiert hat, versteht es – das Nahrungsmittel macht dank seinem hohen Proteingehalt ordentlich satt. In manchen Hotels findet man es schon am Frühstücksbüffet in einer kleinen Schale. Wer es sich ins Essen streut, braucht bis zum Abend nichts mehr zu essen. Die Ureinwohner Teneriffas, die Guanchen, machten aus Gofio meist Brot oder Suppen, und noch heute findet man gofio escaldado, mit Gofiomehl angedickte Suppe. Überhaupt erfreuen sich Suppen großer Beliebtheit auf Teneriffa – etwas, das manch westeuropäischer Urlaub wegen der warmen Temperaturen kaum zu schätzen weiß, doch es lohnt sich, ein paar zu probieren.

Früher konnten sich die Tinerfeños, wie sich die Bewohner Teneriffas nennen, kaum Fleisch leisten, und auch im Fischen waren sie recht schlecht. Doch mittlerweile kommt Fleisch von jedem verfügbaren Tier, besonders Rind und Schwein, gern und viel auf den Tisch, daneben alles an Fischen und Meeresfrüchten, was die heimischen Gewässer hergeben. Je nach Jahreszeit stehen auf den Speisekarten Brassen- und Barbenarten, Hai, Makrele, Kabeljau, Tinten- und Thunfisch, Krebse, Langusten und Garnelen. Als Beilage gibt es papas arrugadas, wörtlich schrumpelige Kartoffeln. Und, das Wichtigste überhaupt: mojo. Die pikanten Saucen dürfen bei keinem Essen fehlen, denn ohne Dip sind alle Speisen nach Meinung der Tinerfeños ziemlich geschmackslos.

Essen im Guachinche – wie ein luftiger Binnen-Biergarten
Wer wie die Einheimischen und mit ihnen essen möchte, geht in eine Guachinche, eine Straußenwirtschaft und typisch kanarisches Lokal. Dort werden vor Ort erzeugte Weine ausgeschenkt und ein paar ortstypische, einfache Gerichte serviert. Isst man zu mehreren, bestellt man einmal Querbeet durch die Speisekarte und teilt alles.

Auf dem Tisch landen an diesem Tag ‚huevos a la estampida‘, gestampftes Ei, und ‚ropa vieja‘, wörtlich alte Klamotten. Dieses Gericht erfreut sich einer langen Tradition, denn so nannte man Essensreste vom Vortag, die neu zusammengemischt wurden. Ich hoffe, dass der Mix aus Rindfleisch, Kartoffeln und Kichererbsen auf meinem Teller nicht bereits auf denen anderer Gäste lag. Außerdem gibt es ‚chuleta‘, ein ordentliches Stück Kotelett.

Es ist ein wenig zugig an den Biergarten-Bänken und mit Plastikdecken geschmückten Tischen, doch das scheint niemanden nicht zu stören. Überhaupt sind Guachinches meist einfache Gaststätten, die teilweise im Hinterhof von jemandem entstanden und mit der Zeit provisorisch ausgebaut wurden. Nicht überall bekommt man Nachspeisen, doch wenn, lohnt sich das Zuschlagen. Oft gibt es verschiedene Früchte, von Bananen und Orangen bis hin zu Papayas und Mangos, flan, einen Karamellpudding, oder bienmesabe, eine traditionell kanarische Mandelcreme. Übersetzt heißt dies „schmeckt mir gut“ – was auf den Punkt bringt, wie mein eigenes Urteil über die Küche auf Teneriffa ausfällt.

Die Reise wurde unterstützt von Wikinger Reisen.

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