Einmal im Leben: Sydney in Style

von Bernadette Olderdissen

Einmal im Leben: Sydney in Style

Sydney ist eine dieser fernen Städte, die ich schon lange besuchen wollte. Dann ist es soweit. Hier verrate ich euch, welche drei Dinge man sich durchaus einmal im Leben gönnen kann, wenn man schon so weit reist. Dazu gehört einmal die Harbour Bridge zu erklimmen, auf der Bühne des Opera Houses zu stehen und eine Nacht im Park Hyatt zu verbringen mit Blick auf Hafen und Opernhaus sowie einem Glas Champagner in der Hand.

Reisebericht

Es ist leicht, die imposante Harbour Bridge aus allen möglichen Perspektiven zu fotografieren, aber wie wäre es, mal ganz oben drauf zu stehen, unter der mächtigen australischen Flagge? Eine Vorstellung im Sydney Opernhaus anzusehen ist bestimmt toll, aber vergesst eine stinknormale Führung. Viel spannender ist es, selbst mal die Bühne zu besteigen, auch wenn es nur im Rahmen einer Backstage-Tour ist. Und das Park Hyatt, eine der Top-Adressen der Stadt, müsst ihr nicht nur schmachtend von außen anschauen. Denn einen einzigen Abend selbst auf einem der gläsernen Balkone zu stehen und der Stadt zuzuprosten, das ist schon etwas Besonderes.

Top of the bridge

Bis ich in Sydney ankam, hatte ich noch nie viel gehört vom sogenannten Bridge Climb auf die 1932 eröffnete Harbour Brücke. Eine der berühmtesten Stahlbogenbrücken der Welt und Symbol Australiens. Ein Ort, wo immer eins der ersten großen Silvesterfeuerwerke der Welt in die Luft geht.

Und tatsächlich, seit 1998 darf man auf die 134 Meter hohe Brücke klettern. Ich will einer von gut 3,5 Millionen Menschen sein, der es ausprobiert. Einzige Voraussetzungen: Man muss über acht Jahre alt, gesund und einigermaßen fit sein. Leider ist der „Climb of a lifetime“, wie er sich nennt, mit ca. 300 AUD nicht billig – aber wann kraxelt man sonst schon die Sydney Harbour Bridge hoch? Dabei besteht die Wahl zwischen zwei Varianten – dem vollen Climb von dreieinhalb Stunden und dem Express Climb, der zwei Stunden und 15 Minuten dauert. Ich entscheide mich für den Express. Bevor es losgeht, wird jede Gruppe in perfekter TÜV-Manier auf Herz und Leber geprüft.

Wie bei einer Straßenkontrolle der Polizei muss jeder in ein Röhrchen blasen, und wer Bier oder Champagner gefrühstückt hat, ist raus. Dann werden wir neu eingekleidet und mit allem ausgestattet, was man auf so einer Brücke braucht – eine festgezurrte Sonnenbrille, ein Stofftaschentuch, eine Baseballkappe. Die Anzüge schmeicheln nicht gerade der Figur, aber daran lassen sich gut diverse Sicherheitsgurts befestigen, alles in genauer Reihenfolge, welche die Guides runterspulen wie ein Fußballkommentator die Ballpässe. Alles, was fallen könnte, bleibt am Boden, darunter auch Papiertaschentücher, Schmuck, Handys und Fotoapparate. Vom Guide geschossene Bilder gibt es aber später zu kaufen.

Dann ist es soweit. Selbstmordgefährdete können hier direkt aufgeben, denn jeder wird mit dem Gürtel, Seil und Gurt an der Brücke befestigt. Fortan darf man die nächsten paar Stunden die Aussicht desselben Hinterns genießen und kann nur hoffen, einen halbwegs ansehnlichen erwischt zu haben. Der Express Climb führt vom Brückeninneren langsam nach oben über Stahlpfade, die überall dort, wo sich jemand stoßen könnte, gepolstert sind wie die Hüfte eines Sumoringers. Durch den Gitterfußboden liegt der Blick auf den Ozean tief unten frei, dann stehen wir über der achtspurigen Brückenautobahn. Aber wir sind immerhin angekettet, anders als einst die Arbeiter, die für ein Pfund pro Tag über die Planken spazierten. Und doch stürzten angeblich nur zwei ins Verderben.

Der Höhepunkt ist nah, die Tür zum höchsten Brückenpunkt öffnet sich. Ein paar Stufen mehr, und wir stehen direkt unter der mächtigen australischen Flagge. Das Opernhaus glitzert in der Sonne, sieht von so hoch oben aber eher wie ein Lego-Haus aus. Zeit für ein Fotoshooting, und auch ein kurzes Video für die Neider daheim darf jeder aufnehmen. Doch nichts keins von beiden kann das irre Gefühl vermitteln, einmal ganz oben auf der Sydney Harbour Bridge gestanden zu haben.

Hinter den Kulissen

Man sagt, vier Milliarden Menschen würden es sofort erkennen – Teil des UNESCO-Welterbes und Wahrzeichen von Sydney. Das Opernhaus. So richtig schön finde ich es nicht, aber extravagant. Ich möchte einmal hinter den Vorhang dieser perfekten Schönen schauen, was relativ wenige tun – die Backstage-Tour findet nur an manchen Tagen um sieben Uhr morgens statt und ist mit 175 AUD ebenfalls kein Schnäppchen. Ob es sich lohnt? Schauen wir mal.

Der Guide ist schon mal der richtige für den Job – der bärtige Alex, der uns gleich vorwarnt: „Erwartet nicht, hier Glanz und Gloria zu finden!“ Tatsächlich wirkt schon der Backstage-Eingangsbereich mit seinem nackten grauen Fußboden voller Kisten und Gabelstapler wie die Lagerhalle beim Baumarkt. Hier hat Königin Elizabeth II. sicher keinen Fuß reingesetzt, als sie das Opernhaus 1973 einweihte. Statt Pomp auf der Bühne sehen wir nun einen riesigen Aufzug, der sämtliches Bühnenmaterial drei Stockwerke nach oben transportiert. Gigantische Eier liegen herum, die in dem Stück ‚Murphy‘ mitspielen. „Für jedes Stück bringen die Darsteller ihr eigenes Material mit, das wir hier für sie aufbewahren“, erklärt Alex.

Der einzige Unterschied zum Baumarkt besteht auf den ersten Blick in den 12 Falltüren. Durch einige muss sogar ein Sarg plumpsen können, beispielsweise in Don Giovanni. Der Orchestergraben erinnert an eine Saunakammer. Dort schwitzen bei Vorstellungen an die 75 Musiker um die Wette, denn laut Alex muss die Klimaanlage so eingestellt sein, dass die Instrumente sich nicht erkälten. Das Publikum in der ersten Reihe hat freien Blick auf den Dirigenten-Hintern, der nur einen Meter entfernt steht. Und wieso ist eine Art Fischernetz über den Orchestergraben gespannt? „Es gab mal einen Zwischenfall mit ein paar Hühnern während einer russischen Oper“, gesteht Alex. Sie seien einfach ins Orchester geflogen.

Auch die ‚Dirigentensuite‘ könnte sich in einem Holzklassehotel befinden, nur, dass dort kein Flügel thront. „Insgesamt haben wir hier 29 Klaviere, die nach Bedarf umgestellt werden.“ Im nächsten Gang sind die Ankleidekabinen – je wichtiger die Persönlichkeit, desto näher die Kabine an der Bühne. Die Räume haben eine ähnliche Größe wie Don Giovannis Sarg, und Alex setzt noch einen drauf: „Hier stehen die dann in Unterwäsche oder nackig und warten, dass ihnen jemand das passende Kostüm überstreift.“ Ein Kostüm brauchen wir zum Glück nicht, um an diesem Morgen die Bühne zu betreten. Schwupps, schon stehe ich in Socken und gelber Sicherheitsweste vor einem der bekanntesten Vorhänge der Welt. Der Zuschauerraum mit 2.688 leeren Sitzen gähnt mich an, Alex beginnt zu singen.

Dann erklärt er, wie die Farbscheinwerfer funktionieren. Aus einem Buch kann die gewünschte Filterfarbe ausgewählt und dann von Hand eingesetzt werden. „Wir haben hier über 600 Kabelkilometer, an denen mehr als 6000 Lichter hängen!“ Genug für die Stromversorgung einer kleinen Stadt. Im Hinterraum stapeln sich Boxen vom Sydney Symphony Orchester, dahinter geht es zu weiteren der fünf Theater, wie das Drama Theatre und das Studio Theatre mit nur 364 Sitzen. Um im Opernhaus zu spielen, mietet man einen Saal, wie 1980 Arnold Schwarzenegger, als er seinen Titel Mr. Olympia erhielt. Insgesamt sollen jährlich rund 2.500 Veranstaltungen in den Theatern des Opernhauses stattfinden, mit vier Millionen zuschauenden Augenpaaren. Da ist das Lampenfieber der Schauspielerinnen so groß, dass sie vor dem Akt eine Holzwand hinter der Bühne knutschen, was Glück bringen soll. „Das hier ist von Lisa Minelli“, behauptet Alex und schenkt einem Lippenpaar einen Luftkuss. Meine Lippen verziehen sich zu einem Lächeln. Wie schön, das Opernhaus einmal ganz ungeschminkt gesehen zu haben, wie ein Stück Eisberg unter Wasser.

Unter den Reichen und Schönen

Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Und so tue ich einmal etwas, das ich, ein großer Fan von Budgetunterkünften, normalerweise nie tue: Ich ziehe für eine Nacht ins Park Hyatt Sydney ein, in erstklassiger Hafenlage zwischen Opernhaus und Harbour Bridge. Zugegeben, die Opera Suite für 20.000 AUD die Nacht mit eigenem Butler kann ich mir im Gegensatz zu Elton John nicht leisten. Auch nicht die Billig-Suite für 12.000 AUD. Ich nehme Vorlieb mit einem einfachen King Room mit Hafenblick, eins von etwa 155 Zimmern, das meine Vorstellungen von feinem Schlafen bereits übersteigt. Dort sind nicht nur die Kunst und Schiebetüren zwischen Bett und gläserner Dusche japanisch, sondern auch das Klo. Ja, dieselben Hightechschüsseln mit mehrknöpfigem Bidet und warmen Sitz, wie sie einen schon an Japans Flughäfen begrüßen.

Gut aufgewärmt fahre ich hoch zum Rooftop-Pool, wo man besser erst ins Wasser springt, wenn der Mund wieder geschlossen ist. Der erste Blick produziert einen echten Wow-Effekt, denn die Sydney Harbour Bridge, die schräg hinterm Hotel hinüberführt, wirkt zum Greifen nahe. Mit so einem Blick badet man garantiert nicht jeden Tag. Allerdings lohnt es sich, um 17 Uhr zum Zimmer zurückzukehren, denn dann sind ‚Amenities‘ angesagt. Höflichkeiten. Worin diese genau bestehen, ist mir nicht klar, bis ich die Flasche tiefgekühlten Champagner mit Deluxe-Käse und hauchdünnem Knäckebrot sehe. Man sollte ja für den Moment leben, und mein Park-Hyatt-Moment ist definitiv gekommen, als ich frisch geduscht im weißen Bademantel samt Champagner und Käse auf dem gläsernen Balkon sitze. Mein Nachbar, das Kreuzfahrtschiff, zieht gerade die Leinen ein und macht sich ozeanfein. Es tutet mir zum Abschied aus vollem Horn zu. Wenn ich mich umschaue, sehe ich die Harbour Bridge, um die Ecke blitzt das Opernhaus. Und vor mir fläzt sich die Hafen-Skyline wie auf einem Mega-Flachbildschirm. Der Champagner braucht gar nicht erst meine Sicht zu verzaubern, denn ich habe es auch so schon kapiert – Sydney in Style ist nichts, was ich mir nochmal gönnen würde. Aber einmal, ein einziges Mal im Leben, tut es so richtig gut.

Die Reise nach Australien wurde freundlicherweise unterstützt von Tourism Australia

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