Eine Winterüberraschung in Barcelona

Eine Winterüberraschung in Barcelona

Spanien im Winter – lohnt sich das? Leere Strände, Churros mit heißer Schokolade und Sehenswürdigkeiten, an denen man nicht stundenlang anstehen muss sprechen für sich: Barcelona in der Nebensaison ist vielleicht ruhiger, das tut der Schönheit der Stadt aber keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: Vielleicht ist es sogar die schönste Zeit, um die katalonische Hauptstadt zu besuchen?

Reisebericht

Die Sonne geht langsam unter und taucht den Strand in ein völlig unwirkliches violett-rosarotes Leuchten. Wir sitzen gemütlich auf der Terrasse eines der wenigen Tapas-Plätze, der schon um halb sechs wieder geöffnet hat. Wir haben die kleine Terrasse und die eingeschalteten Heizpilze ganz für uns allein – wie schon den ganzen Tag ist auf den Straßen nicht besonders viel los. Ich stehe auf, um ein paar Fotos zu machen und laufe runter zum Meer. Der Sand knirscht unter meinen Turnschuhen und es ist komisch, ihn nicht zwischen den Zehen zu spüren. Ich wickle mir den Schal ein bisschen enger um den Hals – der Wind ist kühl – und schieße ein Foto nach dem anderen. Nach Photoshop sehen sie aus, doch der Sonnenuntergang ist echt!

Mein Mann hat sich für seinen Geburtstag Sonne gewünscht - ich wollte einfach nur Meer. Und weil die Flüge günstig und die Unterkünfte zahlreich haben wir uns für Barcelona entschieden. Vielleicht für einen Urlaub im Dezember nicht unbedingt die erste Wahl, aber auch in den Wintermonaten auf jeden Fall eine Reise wert!

Barcelona abseits der Touristenmengen

Neun Millionen Besucher strömen jedes Jahr in die katalonische Metropole und verstopfen im Sommer die Straßen. Doch jetzt im Winter ist es ruhiger – was natürlich auch am Unabhängigkeitsreferendum Kataloniens und den Videoaufnahmen brutaler Polizisten liegen mag. Doch wir bekommen nichts von Unruhen mit. Die einzige Demonstration, die unseren Weg kreuzt ist ruhig und friedlich. Der Placa de Espanya gefüllt mit tausenden Menschen, die katalonische Fahnen schwenken – und dann friedlich wieder ihrer Wege ziehen.

So wie auch wir. Barcelona im Winter zu erkunden ist weitaus weniger hektisch, als im Sommer. Der
kalte Wind, der durch die Gassen fegt und sich in unsere Winterjacken beißt, lädt uns gerade dazu ein, öfter mal eine Pause zu machen. Hier ein paar Tapas zu schnabulieren, da ein paar Montaditos zu probieren, dort einen Kaffee zu genießen. Willkommen sind auch alle Sehenswürdigkeiten, die sich unter einem Dach befinden.

So zum Beispiel auch die berühmte Markthalle La Boqueria. Natürlich ist sie längst nicht die einzige Markthalle in Barcelona, wohl aber die bekannteste. Kein Wunder, liegt sie doch direkt an Barcelonas Flaniermeile La Rambla. Wir können uns nicht sattsehen an buntem Obst und Gemüse, stehen staunend vor riesigen Schinken, die von der Decke baumeln und atmen tief den Geruch von frischen Garnelen ein, die so ganz anders riechen, als auf dem Fischmarkt in Deutschland: Einfach nur nach Meer und Salz.

Wir schlendern weiter über die La Rambla. Sonst gerammelt voll mit Straßenverkäufern, drängt sich heute niemand dicht an dicht. Das fahle Sonnenlicht scheint durch kahle Äste, während nur ein paar Stände mit Magneten und Churros um die Gunst der wenigen Touristen buhlen. Wir zweigen in das berühmte gotische Viertel ab. Die Sonne steht schon tief. Ein Nachteil des Winterurlaubs: Um halb sechs wird es dunkel, dann ist nicht mehr viel Sightseeing angesagt.

Eine Weihnachtstradition mit runtergelassenen Hosen

Dafür ist die Atmosphäre magisch, wenn sich langsam die Dunkelheit über die Stadt senkt und die Weihnachtslichter angehen. Und auch die katalonischen Weihnachtsmärkte müssen sich nicht verstecken. Besonders schön ist der auf dem Platz direkt vor der gotischen Kathedrale. Glühwein gibt es hier natürlich nicht, dafür aber Cider oder Churros mit heißer Schokolade. Es werden handgemachte Krippenfiguren verkauft, Süßigkeiten, Mistelzweige oder Baumschmuck aber auch ein paar Männchen, die uns stutzen lassen: Sitzen da nicht Trump, Merkel und Macron mit runtergelassenen Hosen und machen – tja, ein Häufchen! Caganer heißen diese typisch katalanischen Krippenfiguren, lassen wir uns erklären. Und warum jetzt die runtergelassene Hose? Und steht der Caganer echt neben Maria, Josef und dem kleinen Jesus? Ja, allerdings! Das wortwörtliche „Scheißerchen“ soll wohl den Kreislauf der Natur darstellen, mit dem „düngen“ der Erde eine gute Ernte für das nächste Jahr versprechen und damit Glück bringen – oder, wie unser katalonischer Freund Jordi erklärt, auch einfach mal sagen: „Nehmt das Leben nicht so ernst!“

Tapas – Genuss auf Spanisch

Zeit fürs Abendessen! Uns zieht es ins „El Xampanyet“, den angeblich besten Tapas-Laden der Stadt. Das kann man schon am Eingang sehen: Sitzplätze? Fehlanzeige! Stehen ist hier angesagt. Oder eben weiterziehen. Aber ein Glas Bier, ein bisschen spanischer Schinken und etwas frische Garnelen müssen schon drin sein. Die schmecken auch im Stehen! Ganz günstig sind Tapas in Barcelona übrigens nicht – vor allem, da sie eher Snack sind als Sattmacher – aber Qualität und Frische machen den Preis wett! Schlechte Patatas Bravas (mein Favorit) habe ich in der ganzen Stadt nicht erwischt!

Es geht weiter auf einen Absacker im gotischen Viertel. Unsere Entdeckung: L'Ascensor. Eine Bar, die
wir durch einen altmodischen Aufzug betreten. Darin: Werden wir ins vergangene Jahrhundert versetzt. Ein junger Mann mit Schnauzer und Gehrock steht am Tresen und diskutiert mit seinem Freund in Iron Maiden T-Shirt. Eine Dame im Petticoat kommt dazu. Das Licht ist schummrig. Wir lassen uns auf antiken Stühlen nieder, genießen ein paar Gläser Wein und als wir wieder hinaustreten in die engen Gässchen des gotischen Viertels bin ich fast ein wenig enttäuscht, wieder im Jahr 2017 zu sein.

Ein Streifzug durch Gaudís Stadt

Der nächste Morgen beginnt mit einem faulen Morgenkaffee in einem kleinen französischen Café – überhaupt gibt es viele Franzosen hier in der Stadt. Das mag an der Nähe zu Frankreich liegen oder an der Nähe des Katalanischen zum Französischen. So oder so – es gibt der Stadt einen Touch Paris! Und hinsichtlich berühmter Bauwerke kann Barcelona ganz bestimmt mit Paris mithalten!

Wir beginnen unseren architektonischen Sightseeing-Trip mit einer Fahrt zu Barcelonas Hausberg, dem Montjuïc. Das Highlight des Berges ist schon vom Placa de Espanya nicht zu übersehen: Das Museu National d'Art de Catalunya erhebt sich würdevoll am Fuß des Berges. In Szene gesetzt von Springbrunnen und unzähligen Treppen, die zu dem monumentalen Gebäude hinaufführen. Auch die
Aussicht auf Barcelona muss sich von ganz oben nicht verstecken. Die berühmten Olympia-Anlagen von 1992 sparen wir uns, machen nur einen kleinen Spaziergang durch diese grüne Lunge in der riesigen Stadt, die irgendwie ein ganz eigenes Leben zu führen scheint.

Leider spielt das Wetter nicht mehr so gut mit, Wind treibt uns den Berg hinunter und durch die Gassen, als wir uns auf die Suche nach dem berühmten Casa Batlló machen. Unwidersprochen ist dieses Gebäude ein architektonisches Meisterstück und sicherlich eines der meistfotografierten von ganz Barcelona. Seine bunte Fassade soll den Kampf des Heiligen Georg mit dem Drachen wiedererzählen. Ob sich in der Architektur nun wirklich die Lanze des Heiligen, ein Drachenkopf und Totenköpfe verstecken, das zu beurteilen sei jedermanns Fantasie selbst überlassen. So oder so, das UNESCO-Weltkulturerbe ist einen Besuch wert – selbst, wenn man es sich nur von außen anschaut.

Weiter geht es – endlich – zum Highlight von Gaudís Schaffen: Der Sagrada Familia. Immer wieder sieht man ihre Türme zwischen den einem Raster gleich gebauten Straßenzügen aufblitzen sehen. Und als ich endlich davor stehe: Bin ich beeindruckt. Erstmal von der Größe des Gebäudes, das zu umrunden schon ein paar Minuten dauert. Und dann vom Detailreichtum und von der filigranen Bauweise dieses immensen Bauwerks. Als wären die beiden eindrucksvollen Fassaden, welche Geschichten aus der Bibel erzählen noch nicht genug, soll die fertige Kirche eines Tages 18 Türme besitzen! Wo genau die noch hinpassen sollen, erschließt sich mir nicht so ganz und leider geht auch die Sonne schon langsam unter, sodass wir beschließen, wir haben dem Bauwerk genug Respekt gezollt – und uns ein Bier verdient!

Und so endet unser Abend da, wo unser Trip angefangen hat: In der Barceloneta, dem Stadtviertel Barcelonas, das mit einer über einen Kilometer langen Strandpromenade gesegnet wurde. Wir schlendern durch die engen Gässchen mit gusseisernen Balkonen, von denen katalonische Flaggen
sanft im Wind wehen, suchen uns eine Tapas-Bar und dann schenkt uns Barcelona den schönsten Sonnenuntergang, den ich bisher gesehen habe. Und ich bin mir sicher: Ich komme wieder. Und vielleicht sogar ein zweites Mal in der Nebensaison, denn ich könnte mich daran gewöhnen, die Stadt so wie in den letzten zwei Tagen ein wenig für mich zu haben!

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