Cabo Polonio – Das verträumte Dorf an der Küste Uruguays

Cabo Polonio – Das verträumte Dorf an der Küste Uruguays

Uruguay ist für seine Badeorte bekannt und beliebt – vor allem bei Touristen aus den südamerikanischen Nachbarstaaten. Doch abseits des saisonbedingten Menschenrummels an der uruguayischen Atlantikküste gibt es einen Ort, an dem es weitaus ruhiger und alternativer zugeht: Cabo Polonio.

Reisebericht

Das kleine Fischerdorf liegt im Departamento Rocha an der Atlantikküste, ca. 100 km südlich der Grenze zu Brasilien, und ist ein besonderer Tipp für alle, die auf der Suche nach einem alternativen Stranderlebnis in Uruguay sind. Denn Cabo Polonio ist in vielerlei Hinsicht besonders. Zum einen liegt es inmitten eines Nationalparks, was schon die Anreise zu einem Erlebnis macht. Das Dorf ist komplett auf den Sand gebaut und es gibt daher weder befestigte Straßen noch andere Verkehrsmittel als die eigenen zwei Beine. Deswegen ist die Anreise auf eigene Faust unmöglich. Den Mietwagen kann man auf dem Parkplatz am Eingang des Nationalparks abstellen. Einzig den Anwohnern ist es mittlerweile erlaubt, den Nationalpark mit einem Auto zu durchqueren, doch nur einige wenige besitzen tatsächlich ein Fahrzeug. Spezielle LKWs mit Allradantrieb fahren die Besucher mehrmals täglich durch das weitläufige Dünengebiet des Parks. Auf dem offenen Truck wird die Dünenfahrt zur Schüttelpartie, und besonders auf den beliebten Dachsitzen sollte man sich gut festhalten. Die Fahrt endet auf dem „Dorfplatz“, der sich eigentlich nur dadurch auszeichnet, dass hier die LKWs wenden.

Hier fällt einem sofort die zweite Besonderheit auf: Im gesamten Dorf gibt es weder Elektrizität noch fließendes Wasser. Wenn man darauf achtet, findet man neben jedem Haus einen auf Holzgerüste montierten Tank, der die Bewohner mit einem Minimum an Wasser versorgt. Zusätzlich wird das Regenwasser in speziellen Behältern aufgefangen und gesammelt. Ein äußerst sparsamer Umgang mit den Wasservorräten ist deswegen sehr wichtig. Capo Polonio wurde seit jeher nicht ans Stromnetz angeschlossen und das soll auch in Zukunft nicht geschehen, damit der ursprüngliche Charakter des Ortes gewahrt bleibt. Ein paar Häuser und Hotels werden inzwischen mit Solar- oder Windenergie versorgt.

Der Name Cabo Polonio stammt übrigens von einem Schiff, das im 18. Jahrhundert unweit der Küste gesunken ist. „Cabo“ bedeutet so viel wie Kap, und „Polonio“ nimmt Bezug auf den Nachnamen des Kapitäns. Doch das spanische Schiff ist nur eines von vielen Schiffwracks, die noch heute vor Küste des Departamento Rocha zu finden sind. Der mystische Hauch, der den Namen Cabo Polonio umweht, ist den vielen Legenden zuzuschreiben, die sich um die einzelnen Geschichten der Schiffsuntergänge ranken.

Entspannung in der Hängematte

Die meisten Urlauber in Cabo Polonio suchen nach Erholung und Ruhe. Die lässt sich am besten bei gemütlichen Spaziergängen am Strand finden. Bis zum Dünengebiet des Nationalparks ist es nicht weit. Dort gibt es 20 m große Wanderdünen und kleine Waldgebiete, in denen sich viele einheimische Tierarten wie der Darwin-Frosch beobachten lassen. Am Strandgebiet sieht man je nach Jahreszeit mit etwas Glück auch die Grüne Meeresschildkröte oder einen Glattwal.

Im Dorf schlängeln sich kleine Pfade an den Häusern vorbei, die auf der Landzunge verstreut dem Wind die Stirn bieten. Strandgut baumelt als Deko neben den einladenden Hängematten auf den Veranden. Einige weißgetünchte Bauten erinnern an die niedrigen Häuschen des Mittelmeer-Raumes, aber es gibt auch selbst zusammengenagelte und bunt bemalte Holzhütten, die so manch einen sesshaft gewordenen Aussteiger hinter der Tür vermuten lassen. Fast alle Häuser sind auch gleichzeitig Touristen-Unterkünfte, denn Wohnraum ist in Cabo Polonio rar und für all diejenigen, die nicht oder nicht mehr von der Fischerei leben, stellt der Tourismus die einzige Einnahmequelle dar. Auch wenn einem der typische Hippie-Flair überall ins Auge springt, ist in den Diskussionen der Bewohner oft Geld der maßgebliche Faktor bei der Beurteilung der verschiedensten Sachverhalte. Aber man verzeiht es ihnen gerne, denn trotz allem Touristenrummels bleiben sie stets freundlich und entspannt.

Über das Dorf wacht der Leuchtturm, der als einziges Bauwerk an das Stromnetz angeschlossen ist. Von oben hat man eine gute Aussicht über die gesamte Halbinsel und die vorgelagerten Dünengebiete. Gleich hinter dem Leuchtturm befindet sich die zweitgrößte Robben-Kolonie Uruguays. Aus nächster Nähe kann man den Seelöwen beim Spielen, Baden und Sonnen zuschauen und sich dabei ihr aufgeregtes Geschrei anhören.
Wer sich lieber sportlich betätigt, als sich nur am Strand zu sonnen, kann Surfkurse belegen. Es gibt eine kleine Surfschule, die auch Kurse für Kinder anbietet. Abends sitzen die Surfer gern bei einem gemütlichen Lagerfeuer zusammen und lassen den Tag bei Gitarrenmusik ausklingen. Besonders faszinierend ist der nächtliche Sternenhimmel, der abseits der Lichtverschmutzung der großen, luxuriösen Strandbäder hier in seiner vollen Pracht leuchtet. Manchmal lässt sich auch das fluoreszierende Phänomen des Meeresleuchtens beobachten.

Praktische Tipps für den Cabo Polonio-Besuch

Ein kleines Manko bleibt: Cabo Polonio ist längst nicht mehr der Geheimtipp, als den ihn manche gern anpreisen. In der Hauptsaison zwischen Dezember und Februar strömen vor allem Tagesurlauber in das Dorf und die Preise schießen in die Höhe. Selbst einfache Mehrbett-Zimmer im Hostel können dann bis zu 900 uruguayische Pesos kosten (etwa 25 Euro). Für alle, die nur für einen Tag zu Besuch sind, empfiehlt es sich, Wasser und Tagesproviant mitzubringen. Es gibt zwar einen kleinen Lebensmittelladen, aber der schließt nachmittags für ein paar Stunden und ist auch etwas teurer. Einen Geldautomaten gibt es natürlich ebenfalls nicht.

Ich rate euch, möglichst gegen Anfang oder Ende der Sommersaison anzureisen. Wer zufällig im Winter in der Gegend ist, sollte trotzdem auf einen Besuch nicht verzichten. Da sich zwischen Juni und August fast niemand nach Cabo Polonio verirrt, ist absolute Erholung garantiert und mit ein bisschen Glück erwischt ihr sogar ein paar sonnige Nachmittage. Und wenn ihr zufällig auf eine lebende Seele im Dorf treffen solltet, dann ist das entweder einer der offiziell 70 Einwohner - oder ein frei herumlaufendes Pferd.

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